Nantes

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Wo Vergangenheit mit Gegenwart verschmilzt

Souverän Nantes integriert positive wie auch düstere Kapitel der Vergangenheit in die heutige Zeit.

Hinter einer robusten Festung versteckt sich ein elegantes Palais, zwei Schritte von der Kathedrale und dem mittelalterlichen Viertel entfernt. Franz II., der letzte Herzog der unabhängigen Bretagne begann im 15. Jahrhundert mit dem Bau des Schlosses. Seine Tochter Anne de Bretagne, die durch Heiraten zweimal Königin von Frankreich war, setzte den Bau fort. Dieser von der Renaissance beeinflusste herzogliche Wohnsitz ist der erste im Stile der Loire-Schlösser. Der Eintritt in den Schlosshof und der Rundgang auf den Festungsmauern sind kostenlos und machen den Schlosshof mit Restaurant, Laden
und Veranstaltungen zu einem Treffpunkt der Einheimischen und Touristen.

Im Schloss ist ein Museum untergebracht. Chronologisch und thematisch geordnete Sequenzen erzählen von fünf Jahrhunderten: die Geschichte des Schlosses und des Herzogtums Bretagne, die Loire-Mündung und die Stadt-Entwicklung, die Hafen- und Industriegeschichte mit Schiffsbau, Keks- und Konservenfabriken, vom 2. Weltkrieg und dem Wiederaufbau der Stadt, die sozialen Bewegungen und die Metropole von heute und morgen. Mit den integrierten multimedialen Angeboten wird das Museum zu einem spannenden Erlebnis. Beim Rundgang dürfen keinesfalls die Backformen der Keksfabriken,das Gemälde von Turner von den Kais entlang der Loire in Nantes und das Dekret zur Regelung des Umgangs mit den schwarzen Sklaven vergessen werden.

An die Sklaven erinnert auch das Mahnmal zur Abschaffung der Sklaverei, das vergangenes Jahr eröffnet wurde. Es liegt am Quai de la Fosse, einem symbolischen Ort, da von hier zahlreiche Schiffe nach Afrika ausliefen. Nantes war der grösste Sklavenhafen Frankreichs. Auf einem Vorplatz erinnern 2000 Tafeln an die Sklavenfahrten und die Opfer. Ein meditativer unterirdisch angelegter Rundgang symbolisiert die beschwerliche Schiffsreise im beengenden Bauch der Schiffe und ehrt all diejenigen, die gegen alle Formen der Sklaverei gekämpft haben, kämpfen und kämpfen werden.

Fantastische Reisen auf dem Elefantenrücken

Estuaire Auch verrückte Ideen haben in Nantes die Chance, umgesetzt zu werden – zur Freude aller.

Auf den 60 Kilometern von Nantes bis Saint-Nazaire vereint ein Kunst-Parcours entlang der Loire grosse Skulpturen, Architektur oder im Wasser treibende Werke von internationalen Künstlern. Die rund 30 dauerhaften Installationen des Estuaire genannten Parcours wurden vor Ort kreiert. Zu erreichen sind sie auf dem Wasseroder Landweg, mit dem Auto, dem Velo oder zu Fuss. Die Werke sind ganzjährig frei zugänglich und teilweise an überraschenden Orten platziert, etwa das Pendel von Romain Signer bei der Betonfabrik. Der Parcours bietet gleichzeitig auch die Möglichkeit, die bislang unbekannte Loire-Mündung mit ihren Sumpfgebieten, Fischgründen und Industrielandschaften kennenzulernen.

Ebenfalls entlang der Loire, aber innerhalb von Nantes spaziert ein unübersehbarer Elefant. 12 Meter hoch ist er und wiegt 50 Tonnen. Das Tier trompetet, spritzt Wasser aus dem Rüssel und ist einem echten Tier zum Verwechseln ähnlich. Auf seinen 30minütigen Rundgängen nimmt er im Bauch und auf seinem Rücken bis zu 49 Personen mit. Ein Spektakel ist es, wenn sich das Ungetüm aus Metall, die scheppernden Füsse und das Getriebe gemächlich in Gang setzen. Möglich ist diese aussergewöhnliche Reise fast das ganze Jahr über, nur im Januar und anfangs Februar wird es dem Riesen zu kalt.

Die Machines de l’île, ein fantastischer Tierpark, ist im Gebiet der ehemaligen Schiffswerften im Westen der Ile de Nantes und rund um die ehemaligen Eisenwaren-Hallen gelegen. Es ist nicht ein in sich geschlossener Freizeitpark, sondern integriert sich in das Stadtgefüge.

Seit 2012 bereichert ein riesiges Karussell mit 20 Metern Durchmesser das Projekt Machines de l’île: die Mondes Marins, die Unterwasserwelten. Unterschiedlichste Unterwasser-Kreaturen bevölkern das Karussell: fliegende Fische, ein Schiff im Sturm, ein Tintenfisch mit Rückantrieb. Die Bewegungen all dieser Tiere können manuell gesteuert werden. Das Rundum-Theater versetzt die Betrachter in eine fantastische Welt und in eine Zeit, in der die Träume nach fremden Orten und das Entdeckungsfieber noch mit Schonern unter Segel in Angriff genommen wurden.

Ein weiteres Projekt ist der Reiherbaum, ein 35 Meter hoher Baum mit 50 Metern Durchmesser, der von zwei Reihern überragt wird. Für einen Rundflug nehmen die Besucher auf den Flügeln der Vögel Platz und reisen von Ast zu Ast durch hängende Gärten.

Eine pulsierende Stadt

Aufschwung Kunst belebt die Stadt an jeder Ecke. Sie ist auch ein Faktor, um der Stadt zu neuem wirtschaftlichem Schwung zu verhelfen.

Weltoffen, modern und mit Kultur auf Schritt und Tritt empfängt Nantes Besucher. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich die Stadt zu einer der dynamischsten und kreativsten Städte an der Atlantikküste entwickelt. Treiber dieser Entwicklung war einerseits der Wandel der Wirtschaft vom industriellen zum Dienstleistungssektor, andererseits die Förderung der Kultur. Idee war, dass die Besucher und die Einwohner durch eine Stadt schlendern können, die von der Kunst angesteckt und in Beschlag genommen ist. Jährlich werden neue Kunstprojekte umgesetzt. Dies lockt Besucher und Kunstschaffende aus aller Welt an und gibt der Stadt ein Flair der Weltoffenheit, die durch die Nähe zum Atlantik schon lange besteht. Bereits im 13. Jahrhundert betrieben die Kaufleute von Nantes Handel mit England, im 16. Jahrhundert interessierten sie sich vor andern Hafenstädten für die Antillen. Im 18. Jahrhundert erreicht der Seehandel in Nantes seinen Höhepunkt. Die Kais und die Lagerhallen werden ausgebaut. Ein grosser Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung der Hafenstadt entfällt auf den florierenden Sklavenhandel.

Aus dieser Zeit stammen auch die herrschaftlichen Bürgerhäuser mit ihren schmiedeisernen Balkonen und Maskenköpfen auf der Ile de Feydeau. Nach ihrer Restaurierung um die Jahrtausendwende spross auf der Ile de Nantes ein zeitgenössischer Bau nach dem andern in die Höhe. Ziel war es, ein neues urbanes Herzstück zu errichten.

Nach einer wirtschaftlichen Flaute zu Beginn des 19. Jahrhunderts erhielt die Stadt neuen Schwung dank neuen Fabriken, wie Schiffswerften, Zucker-, Keksund Konservenfabriken, die mit der Seefahrt verbunden sind. In den Siebziger und Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts brach die Schifffahrt ein. Die Meeresschiffe wurden zu gross, um auf der Loire bis nach Nantes zu fahren, die Schiffswerften wurden geschlossen.
 
In den Kaihallen hat sich nun die Kunst niedergelassen. Die Kulturlandschaft der Stadt Nantes ist stets in Bewegung. Diesen Sommer zeigt der Westschweizer Felice Varini sein Werk in Form eines  Labytinths in der HAB Galerie (28. Juni bis 1. September). Kultur in vielfältiger Form wird auch im kulinarischen Kulturzentrum geboten, in der «Cantine du voyage». Nebst kulinarischen Kunstwerken
werden hier lokale Erzeugnisse und Bücher angeboten, Kochveranstaltungen, die von zwei Köchen als Duo gespielt werden, belebendie Küche und Petanque sowie Tischfussball verweisen auf die Lebenskultur.

Zur Lebensqualität in Nantes tragen auch die vielen Grünflächen bei. Zudem verfolgt die Stadt das Ziel, die negativen Umwelteinflüsse langfristig zu begrenzen und zu reduzieren. Diese Bemühungen trugen ihr die Anerkennung als «grüne Hauptstadt Europas" für das Jahr 2013 ein.

 

Gut zu wissen
Anreise
Mit dem Zug über Paris: 2 Stunden von Paris entfernt mit dem TGV ab Paris Gare Montparnasse: www.voyages-sncf.com
Mit dem Flugzeug: Ab Basel-Mulhouse nach Nantes mit EasyJet

Unterkunft
Im alten Justizpalast ist das 4-Sterne-Hotel Radisson Blu
Reservation unter : www.frantour.ch

Sehenswürdigkeiten
Nantes bietet einen Pass für Touristen, der 24, 48 oder 72 Stunden gültig ist. Er ermöglicht kostenlose Zutritt zu 26 touristischen Sehenswürdigkeiten und zum gesamten Netz des öffentlichen Nahverkehrs.

 

Weitere Informationen unter:
www.nantes-tourisme.com

Quelle:Handelszeitung Carl Y. Weberknecht - Irène P. Spinner

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