Beaune

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Barockes Musikfeuerwerk

Ohrenschmaus Das Internationale Barock-Festival lockt alljährich Musikfreunde aus aller Welt an.

Sich musikalisch in die Zeit der Reifenröcke und gepuderten Perücken zurückversetzen, ohne die Augen schliessen zu müssen: Das ist das internationale Barockfestival in Beaune. Die Aufführungsorte stammen aus derselben Zeit wie die Musik: Das Hôtel Dieu, die Basilika Notre Dame und das Hospice de Beaune, das prachtvolle Krankenspital im frankoflämischen Frührenaissancestil passen nicht nur architektonisch, sondern mit den flämischen Wandteppichen auch hinsichtlich der Innenausstattung zur Musik. Das Festival findet seit 30 Jahren alljährlich mit bis zu 14 000 Besuchern in Beaune statt und setzt die Tradition musikalischer Aufführungen fort, deren Ursprünge am Hof der burgundischen Herzöge liegen. Das Festival gilt als eines der führenden Zentren von Konzert-,Oper-, und Oratoriumsaufführungen für Alte Musik. Die Konzerte mit Werken aus dem 15. bis 17. Jahrhundert finden immer an vier Wochenenden im Sommer statt, dieses Jahr vom 5. bis zum 28. Juli.Bedeutende Dirigenten der Barockmusik (unter anderen Paul McCreesh, Christophe Rousset, René Jacobs, Raphael Pichon) präsentieren mit ihren Musikern weltliche wie kirchliche Musik, bekannte Werke, aber auch Musikstücke, die für manchen Musikfreund eine neue Entdeckung sind.

Mehr darüber:
www.festivalbeaune.com


Dem historischen Charme erliegen

Geschichtsträchtig Hotels und Gasthäuser, die mit viel Sorgfalt und Gespür für die Verbindung mit der Moderne renoviert wurden, erfreuen die Gäste in Beaune.

Seit mehr als 2000 Jahren strahlt Beaune, die charmante Hauptstadt der Burgunderweine, über die Regionen Côte de Beaune und Côte de Nuits mit den bekanntesten Weingüter der Welt wie Montrachet, Corton Charlemagne oder Romanée Conti.

Hinter einem Schutzwall beherbergte die mittelalterliche Stadt das vom Reichtum der Burgunderherzöge und vom Wein geprägte Erbe, wie das Hospiz von Beaune (vgl. Beitrag auf Seite 3). Unzählige Klöster, Abteien, Hotels aus dem Mittelalter, Poststationen, in Gärten versteckte bürgerliche Häuser und von Rebbergen umgebene Weingüter finden sich. Es sind geschichtsträchtige Bauten, die mit Raffinesse zu charmanten Hotels und Gästehäusern für Kunstliebhaber, Kultur- und Weinfreunde und Geniesser wurden. Sorgfältige Renovation, die Mitarbeit verschiedenster Kunsthandwerker und Leidenschaft sind die Voraussetzung für die Wiedererweckung der historischen Orte.

Inmitten der Stadt liegt das Hotel Le Cep. Es versinnbildlicht die Lebensart von Beaune. In diesem historischen 4-Sterne-Haus verbergen sich zwei denkmalgeschützte Innenhöfe aus dem 16. Jahrhunderts. Der ehemalige Taubenschlag bietet als Massage-Raum einen Ausblick über die farbigen Ziegeldächer der Stadt. Der Gewölbekeller ist Frühstücksraum. Kaminfeuer im Winter, Weindegustationen und viel versprechende Zimmernamen wie Chablis, Pommard, Volnay oder Chambertin verlocken zu längeren Aufenthalten. Der Volksmund erzählt, dass sogar der Sonnenkönig viel lieber im Hotel Le Cep logiert hätte, als im Hotel-Dieu.

Einen Katzenprung ausserhalb der Stadtmauer liegt Meursault, das Dorf der grossen weissen Burgunderweine. Hier finden sich drei Schlösser, darunter ein Schloss aus der Belle Epoque, das Chateau de Citeaux La Cueilette, inmitten der von Mauern umgebenen Rebberge. Dieses alte Weinhandelshaus wurde über einem alten Weinkeller der Zisterziensermönche errichtet, die den Weinberg seit dem 12. Jahrhundert nutzten. Das herrschaftliche Gebäude spiegelt die Lebensart der Begüterten im 19. Jahrhundert: eine Steinbrüstung zieht sich rund um das Hochparterre, majestätische Treppenaufgänge, spektakuläre Empfangshallen, Basisreliefs und Fresken beeindrucken Besucher auch heute noch. Auch als Spa-Hotel hat das Gebäude mit zurückhaltendem Komfort und exklusivem Ambiente den Geist des Ortes bewahrt. Eine Neuheit ist die Fruititherapie:Die roten Früchte Burgunds stecken voller Phenole und Antioxidantien und sind reich an Vitaminen und Spurenelementen. Die Anwendungen für Körper und Gesicht wirken wie ein Jungbrunnen.

Ebenfalls in bukolischer Umgebung liegt die Ferme de Marjolet, in einem wilden Tal zwischen Beaune und Pommard. Das Gebäude ist um einen Kreuzgang aus dem 12. Jahrhundert angelegt. Bei der sorgsamen Renovation wurden die Seitenflügel aus den urtümlichen gelbbraunen Steinen mit einer Glas-Stahl-Konstruktion verbunden, die das Licht hindurch fliessen lässt. Mit dem im Zentrum liegenden Schwimmbad entstand die Atmosphäre eines harmonischen Lofts. In der Küche sind der Chef und seine Frau mit Ernst und Leidenschaft bei der Sache. Als veritable Botschafter des burgundischen Weins und der Gastronomie bieten sie auch Weindegustationen und Kochkurse an. 


«Die Tradition weiterentwickeln»

Interview Eric Pras, Chef des Restaurant Lameloise in Chagny, über Traditionen und Kreativität.

Warme und kalte Langustinen an Apfeljus, eine leichte Senfcreme mit Kaviar aus Aquitanien, im Dampf sanft gegarter Petersfisch und Messermuscheln, über Weinrebenreisig geräucherte Leberpastete von der Ente: Dies ist nur ein Auszug aus der Menukarte von Eric Pras. Er und Frédéric Lamy knüpfen mit ihrer Küche an die Tradition des Hauses an. 1921 hat die Familie Lameloise in die ehemalige Poststation von Chagny investiert und sie in ein Hotel umgewandelt, das damals wie heute bekannt ist für seine Herzlichkeit und seine einzigartige Gastronomie mit drei Sternen. Im Mittelalter hat die Poststation von Chagny bereits die Herzöge Philipp den Kühnen und Johannes Ohnefurcht angelockt. Bis heute ist sie genüsslich geblieben – auch für Kundschaft ohne Herzogstitel.

Wieso sind Sie Koch geworden?

-Meine Mutter hantierte jeweils mit Inbrunst am Ofen und sie hat meine Leidenschaft für das Kochen geweckt. Der Kontakt mit grossen, begnadeten Küchenchefs, welche die Liebe zur Gastronomie vorleben, haben meine Lust, stets besser zu kochen, vergrössert.

Wo haben Sie Ihre Erfahrungen gesammelt?

-Meine bedeutendsten Erfahrungen habe ich bei Michel Troisgros in Roanne, bei Bernard Loiseau in Saulieu, bei Pierre Gagnaire in St. Etienne, bei Antoine Westermann im Restaurant Buerehiesel in Strassburg gemacht. Zuvor war ich im Belle Otéro mit Christian Chauveau in Cannes und bei Régis Marcon in St. Bonnet le Froid tätig. Und natürlich bei Jacques Lameloise in Chagny.

Was haben Sie von diesen Grossen des Fachs «mitgenommen»?

-Bei Troisgros habe ich den Geist eines Drei-Sterne-Hauses auf engem Platz erlebt. Bei Loiseau habe ich die reine, verfeinerte Küche kennengelernt. Gagnaire hat mir den Sinn für die Kreativität vermittelt. Bei Westermann habe ich natürlich das Elsass kennengelernt, seine Grosszügigkeit und die Schönheit seiner Produkte. Jacques Lameloise hat mir die Einfachheit der Produkte vermittelt. Diese Qualitäten haben sich ergänzt, bereichert und ergaben eine breite Ausbildung.

Was waren die berührendsten Momente?

-Ich hatte mehrere. Einer war meine Lehre bei Troisgros. Sie war traumhaft. Ein wieteres war mein Treffen mit Pierre Gagnaire. Ausserdem meine sechs Jahre, die ich an der Seite von Régis Marcon verbringen konnte. Stolz war ich auf die Auszeichnung als bester Arbeiter Frankreichs 2004. Und schliesslich erlebte ich die Herausforderung meines Lebens mit Jacques Lamelois und dem Projekt, sein Nachfolger zu werden.

Wie kochen Sie?

-Ich praktiziere die Küche eines Erbes, das entwickelt werden darf und die Produkte respektiert. Sie ist fein und sensibel, und sie verträgt durchaus ein Quäntchen Fantasie bei allem Respekt gegenüber der Tradition.

Wo haben Sie ihre höchsten gastronomischen Emotionen erlebt?

-Dies war bei zwei Mahlzeiten. Einmal bei den Troisgros in Roanne und einmal bei Jacques Decoret in Vichy.

Welches war der amüsanteste Vorfall in der Küche?

-Dies war eine gastronomische Woche im Orient Express mit Régis Marcon zum Karneval in Venedig. Es war ein unvergesslicher Anlass, einerseits aufgrund der Geschichte des Ortes. Andererseits aufgrund der Tatsache in einem Zug etwas zuzubereiten und während der Passagen über Weichen in Angstschweiss auszubrechen, weil jederzeit alles herunterfallen konnte – auf den Servierwagen mit den gebrannten Cremen.

Mehr darüber:
www.lameloise.com


Gut zu wissen
Weitere Informationen zur Stadt Beaune unter:
www.beaune-tourismus.com

Anreise mit dem Auto:
ab Zürich 2:25 Stunden
ab Basel 2:35 Stunden (Autobahn A36)

Anreise mit TGV Lyria:
ab Zürich : 3:15 Minuten (über Dijon)
ab Basel : 1:54 Minuten (über Dijon)

 

L’hôtel Le Cep
bietet geschichtsträchtiges Schlafen mitten in der Stadt.
www.hotel-cep-beaune.com

Château de Cîteaux
versetzt einen in die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts.
www.lacueillette.com

La ferme de Marjolet
bietet von der Natur umgebenes Logis in einem alten Kreuzgang.
www.lafermedemarjolet.com

Quelle:Handelszeitung - Irène P. Spinner / Carl Y. Weberknecht

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