Aquitaine: Bordeaux und Weinschlösser bezaubern Reisende

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Aquitaine: Bordeaux und Weinschlösser bezaubern Reisende bordeaux fr

Vergesst Paris. Für eine Weile jedenfalls. «Die schönste Stadt Frankreichs ist Bordeaux», behauptete schon der Dichter Stendhal. Die Hauptstadt der südwestfranzösischen Region Aquitaine verfügt nicht nur über den besten Wein und ausgezeichnete Restaurants, sondern auch über ein einzigartiges Stadtbild. Bordeaux’ fast vollständig erhaltener Kern wurde behutsam saniert und ist heute Weltkulturerbe der Unesco. Die Autos wurden aus der Innenstadt verbannt, dafür gibts Strassencafés an jeder Ecke. Der spektakulärste Aspekt der Metamorphose ist die Neugestaltung des Garonne- Ufers, der breit angelegten, kilometerlangen Promenade. Dem Spaziergänger bietet sich hier ein faszinierender Ausblick auf den Fluss und auf ein Prunkensemble, auf die Fassadenfront im frühklassizistischen Stil von 1750. Ein schimmernder Vorhang aus karamellfarbenem Sandstein, der vom Bahnhof St-Jean im Süden bis zum noblen Viertel der Weinhandelsdynastien Chartrons im Norden reicht.

Zu den Sehenswürdigkeiten gehören auch der im Halbkreis angelegte Place de la Bourse, wo sich früher die Hafenbörse befand (heute Zollmuseum) oder das von Victor Louis um 1780 konzipierte architektonische Juwel aus Grand Théâtre und Grand Hôtel de Bordeaux gegenüber. Ein weiterer Anziehungspunkt ist das CAPC, das Museum für zeitgenössische Kunst (www.capc-bordeaux.fr). Auf der Dachterrasse sorgt das schicke Café Andrée Putman fürs leibliche Wohl. Es trägt den Namen seiner Designerin und ist mit Wandmalereien von Richard Long ausgestattet. 

Kathedralen im Rebberg

Es gibt viele gute Gründe, nach Bordeaux zu reisen. Manche gehen wegen der Schlösser hin. Von denen soll es in der Region, der Aquitaine, über 1500 geben. Viele Gäste nisten sich im Anbaugebiet um Bordeaux gleich in einem Schloss ein, in einem Zimmer mit Himmelbett – und steigen schnurstracks in den Keller, um Bordeaux-Wein zu kosten. Dieses edle Getränk, das in den Gläsern der anspruchsvollen Trinker landet. Und: Spitzenweine treffen in den Grand-Cru-Lagen von Médoc auf Spitzenarchitektur. Einige der Bordeaux- Weingüter haben dazu international renommierte Architekten wie Jean Nouvel, Christian de Portzamparc oder Mario Botta verpflichtet. Herausgekommen sind aufsehenerregende Kellereien, ausgestattet mit modernster Technologie und originellem Design. Eigentliche Showrooms, die Weinfreunde aus aller Welt anziehen.

So innovativ die neuen Bauten auch erscheinen mögen, begonnen hat der Trend bereits in den späten Achtzigerjahren. Zur Avantgarde gehört das Château Lafite-Rothschild in Pauillac mit seiner unterirdischen Kellerei des spanischen Architekten Ricardo Bofill. Die Lust an ausdrucksstarker Architektur zeigt sich zum Beispiel im Château Cos d’Estournel in Saint-Estèphe. Dessen Kellerei wurde in der Art einer chinesischen Pagode mit mehreren geschwungenen Dächern gebaut. Die mit Schnitzarbeiten verzierte Eingangstür soll aus dem Haremsbereich des Sultanpalastes von Sansibar stammen … Zum Degustieren steigen die Besucher über eine gläserne Brücke ins Allerheiligste des Cos d’Estournel (www.estournel.com). In der Weinlandschaft von Saint-Emilion hat sich ebenfalls einiges getan punkto zeitgenössischer Architektur. So liess etwa Silvio Denz, Besitzer des Château Faugères, vom Baukünstler Mario Botta inmitten der schlosseigenen Rebberge eine eigentliche «Kathedrale des Weins» errichten (www.chateau-faugeres.com).

Weisse Welle

Der neuste Wurf in den Grand-Cru-Lagen von Saint-Emilion ist das futuristische Projekt von Jean Nouvel. Im Frühjahr wird die neue Kellerei des Château La Dominique für Besucher eröffnet. Der grandiose, mit dunkelroten Stahllamellen verkleidete Bau erinnert an die Spiegelplastiken des Bildhauers Anish Kapoor (www.chateau-ladominique.com). Über dem Weinlager thront ein aussichtsreiches Restaurant, das den Blick frei gibt auf die noblen Nachbarn, die Schlösser La Conseillante, Figeac und aufs Cheval-Blanc. Dessen neu erbaute Kellerei des Architekten Christian de Portzamparc schlängelt sich wie eine elegante weisse Welle durchs Rebenmeer von Saint-Emilion. Ein echter Augenschmaus. Nicht bloss für weinaffine Reisende.

Schlaraffenland für Radler

Frankreich ist um eine besondere Veloroute reicher. Über 1200 Kilometer entlang der Atlantikküste schlängelt sich die Vélodyssée, die neue Strecke von Roscoff im Norden der Bretagne bis hinunter nach Biarritz in der Nähe der spanischen Grenze. Allein 370 Kilometer der gut ausgebauten und ausgeschilderten Radwege führen durch die Region Aquitaine, durch die malerischen Landschaften der Departemente Gironde, Landes und Pyrénées-Atlantique. Eine Traumdestination für genussfreudige Velofans. Die romantischen Ufer der Gironde sind nah, das Meer ebenfalls. Die Vélodyssée führt meist über flaches Land und lockt sowohl zu längeren Touren als auch zu gemütlichen Spazierfahrten. Überall gibts regionale Köstlichkeiten: Bordeaux- Weine, Entengerichte, Kaviar oder Bayonne-Schinken. Und wenn man durch einsame Küstenwälder rollt, mit Seeluft in der Nase, und dabei von Austern, Moules und wildem Wolfsbarsch träumt, kann man sicher sein – das nächste Lokal mit frischem Fisch und Meeresfrüchten ist nicht weit.

Leuchtturm und Austernzucht

Die Spitze von Cap Ferret mit dem auffälligen Leuchtturm ist ein guter Ausgangspunkt für eine Fahrradtour – einer von vielen. Von hier aus bietet sich etwa eine Umrundung des Beckens von Arcachon an (ca. 70 km). Zu den für die Austernzucht bekannten Dörfern L’Herbe und Le Canon, vorbei am Schutzgebiet der Salzwiesen von Arès und dem Vogelpark von Le Teich. Wer mehr über die Austernzucht wissen möchte, besucht das Museum und Haus der Austern in Gujan-Mestras – und schlägt sich anschliessend den Bauch voll in einer der zahlreichen Austernhütten am Weg. Anderswo sind sie Luxus, hier gehören die edlen Muscheltiere zum Alltag. Stilgerecht serviert, mit einem frischen Weisswein aus Bordeaux, bekommt man diese auch in der «Cabane de l’Aiguillon » in Arcachon. So oder so, ein längerer Stopp im charmanten Badeort am Atlantik lohnt sich. Nicht bloss für Austernfreunde. www.radfahren-aquitaine.de

Praktische Informationen

Anreise.
Ab 8. Mai fliegt Helvetic von Zürich direkt nach Bordeaux. Direktflüge gibts auch mit EasyJet und Etihad Regional ab Genf nach Bordeaux und mit EasyJet ab Basel. Anreise mit dem TGV Lyria via Paris. Die Fluggesellschaften Hop, Air France, Etihad Regional fliegen von Genf nach Biarritz. Distanz Biarritz–Bordeaux mit dem Auto: ca. 200 km.

Events 2014.
Weekend des Grand Crus: Vom 17. bis 18. Mai organisiert die Winzergenossenschaft des Grands Crus von Bordeaux ein Weekend zu Ehren der prestigeträchtigen Tropfen.
Dazu gehören Besichtigungen, Verkostungen und Diners in ausgewählten Weingütern. www.ugcb.net

Bordeaux Fête le vin: Vom 26. bis 29. Juni findet in Bordeaux das grosse Weinfest statt. Alle zwei Jahre feiert die Stadt ihre Geschichte, ihre Traditionen und ihr wichtigstes Erbe – den Wein –
mit einem Riesenspektakel.
www.bordeaux-fete-le-vin.com

Bordeaux City Pass.
Der praktische Pass (ab April 2014) gilt im öffentlichen Verkehrsnetz, in Museen und weiteren Sehenswürdigkeiten. Ein Tag kostet 23, zwei Tage 28, drei Tage 33 Euro. Weitere Infos: Office de Tourisme, 12, Cours du 30 Juillet, Tel. 0033 5 5600 6600.
www.bordeaux-tourisme.com

Hotspot für Surfer.
Das kleine Seebad Contis-les-Bains (120 km südlich von Bordeaux) macht als Surfer-Treffpunkt von sich reden. Die Surfschule von Max Respect offeriert Kurse für Wellenreiter und Ausflüge für Stehpaddler. «Stand-up Paddling» wird auf stabilen Brettern und mit einem Stechpaddel ausgeübt.

Tipp zur Unterkunft:
Hotel de la Plage.
www.max-respect.com
www.hotelplagecontis.com

Informationen.
Comité régional de tourisme d’Aquitaine, 4/5, Place Jean Jaurès, 33074 Bordeaux Cedex. Tel. 0033 5 5601 7391.
www.sudwest-frankreich.de 
www.aquitaine-bordeaux.fr

Quelle: Ursula Schneider

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