«Savoir vivre» ist die Kunst der Franzosen

«Savoir vivre» ist die Kunst der Franzosen

Eleganz, Brioches, Wein, Champagner, Toleranz und die wilde Atlantikküste. Dies sind nur wenige Begriffe, die beim Gedanken an Frankreich ins Hirn kullern. Und natürlich das «savoir vivre» oder die Kunst, das Leben zu geniessen. Es kommt nicht von ungefähr, dass die beiden Ausdrücke «savoir vivre» und «laisser faire» auch in der deutschen Sprache französisch gesprochen werden. Denn der Lebensgenuss wie auch die Lässigkeit der Toleranz lassen sich nur beschränkt in die Schweizer Mentalität übertragen.

Gerade dies fasziniert an unserem westlichen Nachbarn. Auch wenn wir uns gleichzeitig über ihre Unpünktlichkeit ärgern, selbst wenn wir in den Ferien sind. Stil,
Charme und Eleganz einer Französin streben Frauen auf der ganzen Welt an. Den wenigsten gelingt es. Was ist das Geheimnis der Franzosen, das Leben in scheinbar allen Lebenslagen mit Stil und Nonchalance zu geniessen?

Liegt es an der reichen und wechselhaften kulturellen Vergangenheit, die den Franzosen eine Identität gibt. Liegt es an den sonnengetränkten Lavendelfeldern im Süden, ungezähmten Flussläufen, den Weinbergen, die in jeder Region köstliche Weine hervorbringen, welche von den Franzosen in grosszügiger Weise getrunken werden?

Oder liegt es an der unvergleichlichen Küche, die mit dem Adjektiv «französich » zu versehen einem Frevel gleichkäme. Denn die Küche in Frankreich ist so vielfältig wie die Landschaft es ist. Mit einem italienischen Einschlag an der Mittelmeerküche, etwas deftiger, mit Foie gras, Trüffeln und Würsten im Perigord, mit Fischen und Krabben in der Bretagne.

Die Franzosen schlemmen die schmackhaft zubereiteten Produkte aus der Region und bleiben trotz des teilweise masslosen Gaumenschmauses beneidenswert schlank und rank. Einzig der übermässige Genuss von Wildschweinen schadet der Linie, wie Obelix zeigt. Es scheint den Franzosen zu bekommen, die Feinschmeckerküche und der Wein, Lebensfreude und Gelassenheit. Denn nirgends – ausser in Japan – gibt es so viele über Hundertjährige als in Frankreich.

Sie fallen vor allem in den Mittelmeerregionen ins Auge, die älteren Herren, die sich den Lebensabend mit Boule-Spielen versüssen. Allerdings sind nicht sie es,
die so alt werden, sondern ihre Gattinnen, respektive Wittwen. «Savoir vivre» scheint also nicht nur zu bedeuten, ein angenehmes, erfreuliches Leben zu führen, sondern es auch lange zu geniessen.

Die Gründe, weshalb es uns bei unserem westlichen Nachbarn so gut gefällt sind mannigfaltig. Und vielleicht ist das nächste Ferienziel nicht eine Ortschaft, sondern sich möglichst viel von dieser Lebens-und Genussfreude, der Lässigkeit und Toleranz anzueignen und in den Alltag zu retten.

Quelle: Handelszeitung